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Oasen und das Dráatal - Die Fahrt nach Foum Zguid

Juli 26, 2020 - Lesezeit: 3 Minuten

Morgens weht noch ein recht kühler Ostwind über dem Campingplatz in der Oase Foum Zguid und wirbelt den Staub vor sich her. Nachts ist es noch recht kühl im Südosten Marokkos, aber es ist schon etwas wärmer geworden im Vergleich zu zwei Wochen davor. Wir schlafen im Zelt jetzt nur noch zweilagig. Das heißt, nur noch 2 Pullover statt 3, 2 Trainingshosen, 2 Paar dicke Socken …. Die Entfernung zwischen den Orten sind groß. Zwischen Zagora und Foum Zguid liegen etwa 120 km, für die wir zwei Tage brauchten und so kommt nun auch unser Zelt häufiger zum Einsatz, was in diesem Teil Marokkos kein Problem darstellt. Man sucht sich abseits der Straße, möglichst in einer windgeschützten Senke einen Platz zum Zelten und hat seine Ruhe. In wolkenklaren Nächten wird man mit einem Sternenhimmel belohnt, den nur Seefahrer oder Wüstennomaden zu sehen bekommen.

Das Fahrradfahren auf der sehr selten befahrenen Nationalstraße ist sehr mühsam. Der Asphalt ist alt, sehr grob und rau, was den Rollwiderstand der Reifen stark erhöht. Man kommt nicht so gut voran wie auf einer modernen Asphaltdecke, denn es kostet mehr Kraft. Die Landschaft ist grandios. Die Straße schlängelt sich entlang des Gebirgszugs Djebel Bani, mal durch enge Schluchten mal über weite Ebenen. Das Gelände ist meist steinig. Zwischen dem Geröll findet man manchmal sandige Stellen. Hier und da befinden sich meist alleinstehend, aber auch in Gruppen einige Akazien, sowie kniehohe Büsche. Im Laufe des Vormittags wird es dann warm und wir freuen und über ein Schattenplätzchen, um eine Pause zu machen. Am frühen Nachmittag dreht meist der Wind und wird stärker. Der beständige Gegenwind erschwert dann unser Vorankommen. So erreichten wir am frühen Nachmittag die Palmenoase Foum Zguid. Das satte Grün der Dattelpalmen, das Hellgrün der dazwischen befindlichen Gemüsebeete und viel Vogelgezwitscher empfinden wir als eine Attraktion für die Sinne. Hier haben wir für drei Tage Pause gemacht, um uns zu erholen, aber auch sämtliche Kleidungsstücke zu waschen.

Wir werden uns auch wieder mit Wasser, Brot, Sardinenkonserven, Keksen und Bananen ausstatten. Die nächste Einkaufsmöglichkeit, die Oasenstadt Tata, liegt ca. 135 km entfernt. Das sind für uns je nach Wetterlage zwei Tagesreisen. Von Vorteil ist nun, dass mit nächtlichen Temperaturen um 0 Grad nicht mehr zu rechnen ist. Der Campingplatz ist gut besucht. Hier stehen große Caravan- Luxusschiffe, bewohnt von ausschließlich übergewichtigen, älteren europäischen Ehepaaren. Jüngere Menschen sind zu dieser Jahreszeit hier kaum unterwegs.

Einige Reiseradler haben wir trotzdem in den letzten Wochen getroffen, aber hier vor Ort sind wir die Einzigen mit einem Zelt.

Ein großer Teil der Bevölkerung im Südosten am Rand der Sahara gehört dem Volk der Berber an. Auffällig aber ist auch die Anzahl dunkelhäutiger Menschen. Dies rührt daher, dass sich viele ehemalige Sklaven der Araber hier in der Gegend schon vor Generationen angesiedelt haben. Zwei Fahrrad- Reisetage von hier liegt  die Oase Tazenakht. Eine Hochburg des Berber- Teppichhandels. Dieser Ort liegt weiter nördlich Richtung Ouazerzate, dieses Mal nicht auf unserer Route. Uns zieht es weiter nach Westen Richtung Atlantik in wärmere Gefilde. Bis dahin sind es noch einige hundert Kilometer und zahlreiche Palmenoasen liegen noch vor uns. Die größte Oase liegt nun schon hinter uns. Das Tal des Flusses Dráa. Dort reihen sich die Dörfer auf einer Strecke von ca. 100 km aneinander und bilden somit eine durchgehende Oase, die allerdings schon seit geraumer Zeit bedroht ist. Der Grund dafür steht im ständigen Absinken des Grundwasserspiegels. Die Tatsache, dass im Atlasgebirge immer weniger Schnee fällt, bewirkt, dass der Fluss nicht mehr genug Schmelzwasser führt. Hinzu kommt, so erzählte man uns, dass die Menschen dort immer öfter Melonen anbauen. Das bringt schnelles Geld, saugt aber auch viel zu viel Wasser aus dem Boden.

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