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Aklimatisieren in Negombo

Mai 2, 2020 - Lesezeit: 4 Minuten

Zum Eingewöhnen und Aklimatisieren haben wir uns das kleine Küstenstädtchen Negombo nördlich von Colombo ausgesucht. Die Haupteinnahmequelle der Menschen hier sind der Tourismus und der Fischfang. Auffällig im Stadtbild sind hier die vielen Kirchen, denn die Bevölkerung in diesem Gebiet besteht überwiegend aus Christen der verschiedensten Konfessionen. Hinduistische und buddhistische Tempel findet man hier selten.

Negombo, ein Ziel von überwiegend Pauschaltouristen, hat ein üppiges Angebot an Untekünften der verschiedensten Preisklassen. Die Touristen, darunter sehr viele Deutsche, flanieren vorwiegend auf dem Lewis Place und der Alles Road, die entlang der Strände verlaufen. In der lauten und geschäftigen Innenstadt sieht man Europäer eher selten, am Fischereihafen der Lagune und auf dem Fischmärkten der Stadt fast nie.

Wir erkundeten die Stadt und ihre Umgebung mit unseren Fahrrädern und fanden so manches reizvolle Eckchen. Südwestlich des Stadtzentrums beginnt die Lagune, die sich fast bis Colombo erstreckt. Auf dem schmalen Landstreifen, der ziemlich dicht besiedelt ist und vom Tsunami 2004 heimgesucht wurde, radelten wir durch enge Strassen vorbei an kleinen Häusern mit teils wunderschönen Gärten.

Die Menschen, denen wir begegneten, waren meist freundlich, an unserer Herkunft interessiert, niemals aufdringlich, zurückhaltend, aber nicht schüchtern. Egal ob wir durch die etwas besser gestellten oder durch ärmere Gegenden radelten, wurden wir immer mit einem freundlichen Lächeln bedacht und kamen ziemlich schnell ins Gespräch. Tour nach Gonagaldeniya

Unsere erste Etappe auf unserer Rundreise führte uns nach Gonagaldeniya 50 km östlich von Negombo. Wir hatten von einem kleinen Guesthouse nahe dieses Örtchens, mitten im Dschungel gelegen, gehört und uns dieses als erstes Ziel ausgesucht.

Startzeit war aufgrund der zu erwartenen schwülen Hitze morgens um sechs Uhr. Die ersten Kilometer vorbei am Flughafen bis zur Stadt Minuwangoda waren vorsichtig ausgedrückt ein wenig unangenehm.

Auf einer ziemlich schmalen Landstrasse wuseln Mopeds, Pkws, Busse, dreirädrige TukTuks und LKws nach einem uns nicht immer offensichtlichen Reglement durcheinander. Eine der wichtigsten Verkehrsregeln scheint hier zu sein, daß man die Hupe ständig zu benutzen hat. Man benutzt die Hupe vor einer Kurve, vor und bei einem Überholmanöver, wenn das vorrausfahrende Fahrzeug zum Überholen ansetzt und man kurzerhand die Straße zu einer 3spurigen umfunktioniert, weil man schnell ist und den überholenden auch gleich noch mit überholen möchte. Man hupt wenn man es eilig hat oder die Tante an der Srasse steht, aber nicht wenn jemand auf der falschen Stassenseite fährt. Auf jeden Fall hupt man midestens 3 mal, wenn man die mit Gepäcktaschen behangenen Fahrräder der Velo-Traveller sieht. Allerdings hupt man nicht aus Frust oder Zorn, wie es in Deutschland üblich ist.

Die Enge, der Lärm, die Abgase und die abenteuerlichen Fahrmanöver der Verkehrsteilnehmer machten diesen Streckenabschnitt nervig und gefährlich. Ab Minuwangoda bis Urapola lichtete sich der Verkehr und wurde erträglich. Ungefähr 15 km vor Urapola kündigt sich das Bergland an und die ersten kleinen Steigungen mußten bewältigt werden.

In Urapola sieht man dann die ersten Berge. Dort bogen wir links auf die Straße nach Ruwanwefella ab. Auf der schmalen, wenig befahrenen Straße geht es dann mit einer ordentlichen Steigung ca. 7 Kilometer stetig bergauf bis zum Guesthouse "Maldothenna Chalets", ca 2 Km vor dem Ort Gonagaldeniya gelegen, wo wir dann für die nächsten Tage Unterkunft fanden.

Dieses preiswerte und saubere Guesthouse befindet sich ein gutes Stück fernab der Straße mitten im Dschungel. Von dort hat man eine gute Aussicht über die nähere Region. Die Geräusche des Dschungels und das Plätschern des nahegelegenen Baches runden die Kulisse ab. Ein Ort an dem man sich bestens von Strapazen einer anstrengenden Radtour erholen kann.

Bei Spaziergängen und kleineren Radtouren haben wir hier die wunderschöne Landschaft erkundet, die vom Dschungel und darin eingebettete Gummibaumplantagen geprägt wird. Immer wieder trifft man auf kleinere Behausungen zu denen meist ein kleines Reisfeld, einige Kokospalmen, Bananenbäume und Bethelnußpalmen gehören.

Egal ob am Straßenrand oder im Wald, überall kamen wir mit den Menschen hier schnell ins Gespräch. Irgendjemand kletterte mit einem Sweatshirt als Steighilfe umfunktioniert auf eine Palme um Kokosnüsse zu ernten, deren Saft ein sehr schmackhaftes Erfrischungsgetränk liefert und man sitzt zusammen und trinkt erstmal eine Nuß. Solch eine Unkompliziertheit und Gastfreundlichkeit haben wir bei all unseren Reisen bisher noch nicht kennengelernt.

Auch von der hier reichhaltigen Fauna haben wir schon einiges gesehen. Schlangen. Warane, recht große Spinnen und eine vielfältige Vogelwelt befinden sich unmittelbar vor der Haustür. Auch im Haus gibt es einige exotische Mitbewohner und wir sind sicher, daß wir demnächst zu diesem Thema noch einiges berichten werden.

Unsere nächste Etappe wird uns nach Kandy führen, die alte Königsstadt in den Bergen. Wir weden Berichten.

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