Flussufer mit Bäumen, Palmen und mehreren Häusern am Mekong in Laos unter bewölktem Himmel

Der Mekong-Fluss in Südlaos

November 19, 2025 - Lesezeit: 8 Minuten

Ich zweifel daran, dass es ein guter Plan des Rindviechs ist, nun ausgerechnet jetzt, da sich ein großer Pickup mit großer Geschwindigkeit nähert, die Fahrbahn zu betreten. Instinktiv ziehe ich die Bremshebel und werde langsamer. Die Situation spielt sich 200 Meter vor mir auf der Gegenfahrbahn der vierspurigen Straße ab. Der Fahrer des Autos hat die Situation erkannt, wechselt, die Geschwindigkeit beibehaltend, die Spur. Offensichtlich will er irgendwie an der Kuh vorbei, die, ihre Hufe mit Bedacht setzend, inzwischen die erste Fahrbahn mit Beschlag belegt hat. An der Straßenböschung trabt nun auch noch ein Kalb los, dahinter tauchen weitere Rinder auf. Der Fahrer plant nun für sein Ausweichmanöver eine der Gegenfahrbahnen zu nutzen. Aus meiner Sicht auch keine gute Idee. Ich fahre, meine Geschwindigkeit weiterhin verringernd, am rechten Rand meiner Fahrbahn. Das geht nicht gut denke ich, heute gibt’s Rindsgulasch, denn das Kalb trabt munter an der Kuh vorbei und versperrt die nächste Fahrbahn. Der Pickup schießt zwischen dem Kalb und mir gerade noch vorbei. Ich ziehe die Bremshebel noch etwas fester an, denn ich möchte das Tier auch nicht rammen. Die Lücke zwischen Kuh und Kalb nutzend, habe ich nun wieder freie Bahn und nehme in die Pedale tretend wieder an Fahrt auf. In Thailand werden Kühe und Wasserbüffel zum Weiden an einer langen Leine angepflockt, zumindest in der Nähe einer stark befahrenen Hauptstraße. Hier nicht. Wir sind in Laos.

Langgestrecktes Boot fährt auf dem Mekong zwischen grünen Inseln im Land der 4.000 Inseln in Laos

Im süden von Laos wird der Mekong einige Kilometer breit und es haben sich viele Inseln gebildet, von denen manche bewohnt sind, wie die Insel Don Det. Die Laoten nennen diesen Abschnitt des Flusses das Land der 4.000 Inseln.

Meine Erfahrung bei diversen Grenzübertritten mit dem Fahrrad sagen mir, dass man viel Zeit, Geduld und etwas Diplomatie im Gepäck haben sollte. Manchmal sind Bürotüren zu (Officer muss essen) oder nur zwei der fünf anwesenden Beamten arbeiten oder es werden erst mal nur Einheimische abgearbeitet, der Rest muss warten. Die Ausreise aus Thailand dagegen verlief wie geschmiert. Ein kurzer Vergleich unserer leicht verkrampft lächelnden Visagen mit dem Foto im Reisepass, Stempel, fertig. Ein paar Meter weiter am laotischen Grenzposten galt es, sich erst mal zu orientieren. Meine Frage, wo wir zuerst hin müssen, wurde freundlich in verständlichem Englisch beantwortet: „Gehen Sie bitte in dieses Gebäude, dort in die erste Etage und holen Sie sich ein Visum. Wenn alles erledigt ist, lasse ich Sie hier durch“. So lief das auch. Ohne Anstehen oder andere Verzögerungen waren wir in Laos eingereist, hatten am Geldautomaten knapp 1 Mio. Kip (fast € 40,--) gezogen und eine SIM-Karte gekauft, die von einer freundlichen Verkäuferin in kürzester Zeit eingerichtet wurde. Mit Landeswährung und Internet ausgestattet begaben wir uns auf die Landstraße. Hier nun wieder mit Rechtsverkehr. Es versprach ein guter Tag zu werden.

Lastkahn mit Dach und mehreren Personen fährt auf dem Mekong-Fluss in Laos, im Hintergrund bewaldetes Ufer mit einfachen Holzhütten

Sämtliche Güter werden nach Don Det mit Lastkähnen transportiert.

Die Fahrräder werden von dem schwankenden, schmalen Langboot herunter gehoben. Wir steigen auf und radeln durch eine schmale betonierte Straße. Rechts und links entlang des Weges reihen sich Guesthouses und Restaurants auf. Die Insel Don Det im „Land der 4.000 Inseln (Si Phan Don)“ im Mekong kurz vor der Grenze zu Kambodscha wird von vielen Touristen besucht. Wir müssen noch ein Stück radeln, denn unsere Hütte, die wir uns ausgesucht haben, liegt etwas außerhalb an der Südspitze der Insel.

Fünf Jungen trainieren für Drachenboot-Rennen in einem einfachen Paddelboot auf dem Mekong-Fluss umgeben von grüner Ufervegetation

Schon die Jungen trainieren auf Don Det für den Volkssport Drachenboot-Rennen

Es sind ca. 30 Grad um 13 Uhr und wir sind bisher 60 km mit den Fahrrädern gefahren. Die Bebauung wird nun spärlicher und wir sehen nun wieder die Landschaft. Palmen und hohe Bäume zur Rechten, das Wasser und darauf schippernde Langboote mit ihren knatternden Motoren zur Linken. Der Fluss fächert sich zwischen den Inseln in ein Gewirr von vielen, kleinen Kanälen auf.
Etwas weiter südlich stürzen die Wassermassen dann in einigen großen und kleinen Wasserfällen herunter und vereinigen sich wieder zu einem großen, breiten Strom.

Breiter Wasserfall am Mekong in Laos mit stürzendem Wasser, felsigem Ufer und bewaldetem Hintergrund unter blauem Himmel mit vereinzelten Wolken

Einige Kilometer südlich von Don Det, nahe der Grenze zu Kambodscha befinden sich die Mekongfälle. Auf einer Breite von mehr als 10 Kilometern fällt der Fluss in Kaskaden über 21 Meter ab.

Diese Insellandschaft bietet eine großartige Kulisse. Wir werden einige Tage hier verbringen. Kurz bevor wir unsere Unterkunft erreichen, können wir schon die Brücke sehen, die die Inseln Don Det und Don Khon verbindet. Gebaut wurde sie Ende des 19. Jahrhunderts von der französischen Kolonialverwaltung als Eisenbahnbrücke mit dem Ziel, die Mekong-Fälle zu umgehen, denn diese sind nicht schiffbar. Die Bahnlinie war 7 km lang und hier in Don Det gab es eine Verladestelle. Wir erreichen unsere auf Stelzen gebaute Holzhütte, ausgestattet mit WC, Dusche und einer kleinen Veranda mit Hängematte. Die Standardausstattung der meisten Unterkünfte hier. Vor 20 Jahren bestanden die Hütten fast immer aus leichtem Bambusgeflecht und hatten keinen betonierten Sanitärbereich. Wir werden hier kleine Radtouren und Wanderungen unternehmen und alles ganz in Ruhe angehen lassen. Ganz im Lao-Style eben, ruhig und gelassen. 

Person steht auf felsigem Ufer am Mekong-Fluss mit sichtbaren Wasserströmungen,  bei den Mekongfällen in Laos

Tosende Wassermassen an den Mekongfällen zeugen von den Kräften der Natur

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