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Die Händler in den Souks von Marrakesch

Mai 5, 2020 - Lesezeit: 5 Minuten

Viele Händler, Verwinkelt und eng, stinkend und dann wieder betörend duftend, bunt, geheimnisvoll, laut, beängstigend...

Diese und viele andere Attribute treffen auf Marrakesch zu, die Stadt, die wohl alle Klischees, die die Menschen aus der westlichen Welt von einer orientalischen Altstadt in ihrer Vorstellung haben, in sich vereint.

Diese Vorstellung ist wie so oft von der Filmindustrie geprägt worden und Marrakesch mit senen Händlern in den Souks hat in vielen Filmen die Kulissen gegeben. Ich schreibe hier von der Altstadt, der Medina, in der ich mich bei diesem, meinem zweiten Besuch, fast ausschließlich aufgehalten habe. Die Neustadt mit ihren vom Straßenverkehr überfüllten, großzügig angelegten Straßen mit Bauten aus der Kolonialzeit, den Bars mit Alkoholausschank, den großen Hotels und nicht zu vergessen Mc Donalds, den wunderschönen Parkanlagen habe ich dieses Mal nicht besucht.

Das Herz der Altstadt ist der große, zentral gelegene Platz mit dem Namen Djamâa el-Fna, der Platz der geköpften. Dieser Platz war schon immer der Versammlungsplatz, auf der früher auch Hinrichtungen stattfanden. Die Köpfe der Deliquenten wurden auf Spieße gesteckt und zur Mahnung so lange stehen gelassen, bis nur noch die Schädelknochen übrig blieben. Heute ist dieser Platz die Hauptattraktion nicht nur für Touristen. Fast immer von vielen Menschen besucht, ändert sich sein Erscheinungsbild zu den unterschiedlichen Tageszeiten, Nachmittags trifft man dort Wasserverkäufer in ihren bunten Trachten, Schlangenbeschwörer, verschleierte Frauen, die Touristinnen die Hände kunstvoll mit Henna bemalen, Wahrsager, Geschichtenerzähler und Händler mit ihren verschiedensten Waren an. Am Abend ändert sich das Bild. Dann werden Essensstände aufgebaut und Musiker versammeln sich dort, die folkloristische Musik darbieten. Nördlich und südlich des Platzes befinden sich die Händler in den Souks, enge verwinkelte Gassen mit den Geschäften und ihrem üppigem und unüberschaubarem  Warenangebot und den Werkstätten. Meist konzentrieren sich die Warengruppen in einem Bereich, so gibt es dann den Abschnitt für Lederwaren, einen  für Holzschnitzereien oder Heilkräuter und Gewürze usw.

Fast an jedem Geschäft wird man angesprochen, manches Mal aufdringlich angehalten, man möge doch einmal hineinschauen, nur schauen, nicht kaufen natürlich. Als ich vor 13 Jahren das erste Mal  Marrakesch besuchte, gab es zur damaligen Zeit eine fast revolutionäre Neuerung. Es war den Händlern unter Strafe verboten allzu aggressive Verkaufstechniken anzuwenden. Auch  selbsternannte Stadtführer waren verboten. So konnte man nun halbwegs in Ruhe einen Spaziergang in den Souks „wagen“. Dies hat sich nicht verändert und wenn mir ein Verkäufer trotzdem mal zu Nahe kam, habe ich ihn meist mit einem freundlichen Lächeln und einem Kopfschütteln abwimmeln können, Meine Ultima Ratio bestand darin ganz böse zu schauen und „chalini tranquil“, lass mich in Ruhe zu sagen, spätestens dann hatte ich dieselbe, natürlich nicht ohne ein „Hitler“ gebrabbel zu hören, denn die jeweiligen Nationalitäten ihrer Kunden, oder besser Opfer, können einem die Händler oft an der Nasenspitze ansehen. Man sollte sich möglichst nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Wenn man sich weiter vom Platz entfernt, ändert sich auch langsam das Warenangebot dahingehend, dass jetzt nicht mehr so viele Souvenirs wie I love Marokko T-Shirts und ähnlicher Kram angeboten wird sondern „echtes“ Kunsthandwerk und alltägliche Gebrauchsgegenstände. Dazu kann man oft einen Blick in die jeweiligen Produktionswerkstätten werfen und man ist oft erstaunt mit welchen simplen Mitteln und viel Handarbeit diese Waren  erzeugt werden. In vielen Reiseführern wird meist ein Besuch im Gerberviertel oder bei den Färbern empfohlen. Ich hatte wenig Lust Kinder und Jugendliche bei oftmals mittelalterlichen Arbeitsbedingungen zu beobachten und zu fotografieren und wie eine Gerberei stinkt, weiß ich noch aus meiner früheren Tätigkeit als Sattler.

Ruhig schritt ich also durch die Gassen, beobachtend und die Eindrücke in mich aufsaugend. Hier und da mal ein Smalltalk mit einem Händler haltend. Vor allem die Kräuter- und Gewürzläden hatten es mir angetan. Welch ein Konzentrat an Düften und Farben. DieSpaziergänge wurden dann auch nach einiger Zeit sehr anstrengend und ich war froh hin und wieder mal eine Teestube zu finden um dort zu rasten und keinen Händler zu treffen.

Abends nach Einbruch der Dunkelheit ging es dann auf den oben erwähnten, zentralen Platz zu den Essensständen. Das Angebot der einzelnen Buden und auch die Preise sind fast überall gleich. Die Kellner müssen sich einiges einfallen lassen um einen potentiellen Kunden an ihren Stand zu locken, meist mit Charme und Witz,

Nach dem Essen zog es mich noch zu den Musikern, wo ich dann auch mal mitspielen durfte. Es ist nicht leicht eine traditionelle Handtrommel in der linken Hand zu halten und doch beidhändig zu spielen. Man benötigt dafür einige Kraft und Geschicklichkeit und nach zwei Stücken musste ich die Trommel wieder aus der Hand legen, die Schmerzen waren zu groß. Ich sitze halt lieber auf meiner Trommel. Da sich nun die Souks geleert und die meisten Läden geschlossen waren, habe ich dann noch einen Spaziergang gemacht und habe dabei so manches entdecken können, was mir tagsüber verborgen blieb, da nun keine Ware mehr davor gestapelt war. Einen reich verzierten Hauseingang zum Beispiel.

Sollte ich noch einmal in meinem Leben Marokko besuchen, dann werde ich sicherlich auch nach Marrakesch fahren, und wieder vieles entdecken, was ich noch nicht gesehen habe. Eine sehenswerte Stadt voller Gegensätze.

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