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Mit dem Fahrrad im Gepäck nach Marokko - Besuch bei Freunden

Mai 12, 2020 - Lesezeit: 3 Minuten

Es ist noch recht kühl morgens um halb neun. Die Sonne steht noch nicht sehr hoch, verspricht aber einen schönen Tag. Langsam öffnen die Geschäfte, Markthändler sortieren ihre Waren. Der Straßenverkehr nimmt zu. Ich bin schon seit sechs Uhr auf den Beinen. Mein Gastgeber, er ist ein selbstständiger Gas-Wasser-Installateur, hat heute einen größeren Auftrag zu bewältigen. Nach dem Morgengebet gab es emsiges Treiben im Haus und in der Werkstatt, wo wir auch unser Frühstück in Form einer Getreidesuppe mit einigen Datteln zu uns nahmen.

Ich befinde mich in Safi, einer kleinen Stadt drei Autobusstunden südlich von Casablanca am Atlantik gelegen. Zum dritten Mal bin ich nun schon hier und fühle mich hier zu Hause. In „meiner“ Straße kennt man mich bereits und wenn ich vor dem Haus sitze und einen Fahrradschlauch flicke, ist dies kein ungewohnter Anblick mehr.

Die Reise hierher war problemloser als ich zu hoffen gewagt hatte. Das Einschecken am Flughafen mit einem Fahrrad im Gepäck ist meist kompliziert und zeitaufwändig. Diesmal ging es zügig von statten. Am Flughafen in Casablanca gab es keine Probleme mit dem Zoll. Ein Taxi brachte mich und mein Gepäck zum Busbahnhof. Gegen ein Trinkgeld überließ ich es dem Taxifahrer in dem dort herrschendem Gewühl den richtigen Bus nach Safi zu finden. Und ich hatte Glück, der Bus fuhr schon zehn Minuten später los. Um 21:30 Uhr wurde ich in Safi am Busbahnhof von drei Freunden erwartet. Zu viert ging es dann mit meinem Gepäck, einem Fahrradkarton von 175cm Länge und einer großen Reisetasche auf zwei Mopeds durch die Stadt zum Haus meines Gastgebers. Eine recht kuriose Fahrt. Das geht hier alles. Willkommen in Afrika.

Wiederum 15 Minuten später befand ich mich, meine Freunde waren eingeladen, auf einer Trauerfeier bei einem Nachbarn in „unserem“ Viertel. Ich fühlte mich etwas deplatziert und mir war unbehaglich zu mute, denn ich kannte weder den Verstorbenen noch die Angehörigen. Aber nach kurzer Zeit wich dieses Gefühl, da ich sehr freundlich aufgenommen wurde. Mein Plan, in der Sahara zu radeln, wurde mit einiger Skepsis diskutiert. Die Leute hier sind der Wüste und den Menschen die dort leben nicht sehr wohl gesonnen wie mir scheint. Die kurioseste Warnung war die, dass man mir in Layoune junge Möwen als Hühnchen verkaufen würde. Nun ja, wenn es denn schmeckt. Andere Warnungen waren ernsthafterer Natur. Bisher habe ich aber die Berber im Süden als ebenso gastfreundlich kennen gelernt. Es ist aber auch bekannt, dass die Stimmung zwischen den Berbern und den Arabern seit je her nicht die beste ist. Das ist wohl tief in deren Geschichte verwurzelt.

Die Tage hier in Safi bei Freunden nutze ich jedenfalls um mich einzuleben und vorzubereiten. Das Fahrrad ist inzwischen montiert. Für einen Internetzugang ist gesorgt, was allerdings zwei Tage in Anspruch nahm, da auf Grund eines Fehlers bei der Maroc Telecom meine Sim-Karte nicht freigeschaltet war. Auf dem Rennrad absolviere ich täglich meine Trainingsrunden im recht hügligen Gelände oft bei starkem Wind.

Ich werde wohl von hier mit dem Fahrrad Richtung Essauira, dann Agadir starten. Diese Strecke ist für mich nicht neu, ich bin sie schon 2013 einmal geradelt. Die Landschaft entlang der Küste ist sehr schön und ich möchte mich der Wüste langsam nähern. Daher werde ich nochmal die selbe Route wählen. Mal schauen wie es diesmal wird.

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