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Über Kenitra und Larache nach Tanger und Ceuta im Norden Marokkos

Juli 26, 2020 - Lesezeit: 3 Minuten

Im Norden Marokkos, in der Gegend von Larache, ähnelt die Landschaft sehr dem heimischen Brandenburg. Grüne Felder mit zur Zeit kniehohem Getreide, Wiesen, manchmal mit orangenen oder weißen Blüten bedeckt, schwarz-bunte Kühe weiden darauf, weiche Hügel bis zum Horizont. Hin und wieder ein Dorf. Die Äcker sind von Gräben umsäumt. Wassermangel ist hier zu dieser Zeit kein Problem. Der große Unterschied zu Brandenburg: Hier ist die Versorgungslage besser. In jedem Dorf findet man mindestens einen kleinen Laden, in dem man schnell die Dinge besorgen kann, die man am Markttag ein paar Dörfer weiter, meist ist es der Sonntag, vergessen hat. So sind auch alte Leute unabhängig und können sich verpflegen. Auch kleine Cafés findet man in den meisten Dörfern. Sie sind sehr einfach in ihrer Ausstattung, hier treffen sich die Männer nach getaner Arbeit zum Tratsch. Wir sind den großen Städten entkommen und fahren auf dem Fahrrad nun wieder über kleine Landstraßen entlang der Küste weiter gen Norden über Larache Richtung Tanger.

Auf der ersten Fahrrad-Etappe zwischen Rabat und Kenitra war der Verkehr noch ziemlich stark. Allerdings befand sich die vierspurige Straße in einem exzellenten Zustand und wir kamen zügig voran. Hinter Kenitra glänzt die ehemals ausgefranste und schlaglochbehaftete Landstraße mit einer neuen, breiten Asphaltdecke. Der Grund hierfür mag daran liegen, dass parallel zur Straße die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke der Bahn verläuft. Die Straße wird vermutlich von den Fahrzeugen der Wartungstrupps benötigt. Ansonsten wird sie selten befahren. Die Bahn, TGV aus französischer Produktion, rast hier mehrmals täglich durch die Landschaft. Es heißt, dass diese Bahntrasse eher ein Prestigeobjekt ist und zur Bereicherung der marokkanischen Infrastruktur wenig beiträgt. Wir jedenfalls freuten uns über die ruhige, solide und intakte Landstraße und fuhren mit dem Fahrrad bei sehr gemäßigtem Seitenwind fast 100 km nach Moulay-Bousselham, einem kleinen Ort an einer Lagune gelegen, an der man zu bestimmten Jahreszeiten Flamingos beobachten kann. Wir verbrachten die Nacht dort auf einem der beiden Campingplätze und trugen damit entscheidend zum Fortbestand der dortigen Mückenpopulation bei. So unterschiedlich die verschiedenen Campingplätze, die wir in den vielen Landesteilen bisher besuchten, auch waren, so hatten sie doch eins gemeinsam. Sie wirken alle, denkt man sich mal die riesigen, luxuriösen Campingmobile mit Anhänger für Mopeds, Quads oder Kleinwagen weg, wie ein Garten einer geriatrischen Einrichtung. Wir sind nun selber nicht die Jüngsten, gehören auf diesem Campingplatz aber immer, was den Altersdurchschnitt der Gäste betrifft, zur untersten Klasse. Die Tatsache, dass wir mit Fahrrädern kommen und im Zelt schlafen, macht uns zu Exoten.

Wir fuhren weiter gen Norden und erreichten Tanger. Von dort ging es weiter Richtung Ceuta zur spanischen Grenze. Ceuta ist eine kleine spanische Enklave auf dem marokkanischen Festland. Den Grenzübertritt benötigten wir, da unsere Aufenthaltsgenehmigung für Marokko in den nächsten Tagen abgelaufen wäre. Nach einem kurzen dreitägigen Aufenthalt und ein paar Dosen Bier in der Europäischen Union reisten wir auf dem Fahrrad erneut in Marokko ein, nun mit einem frischen Stempel im Pass.

Weiter ging es von hier über Tetouan nach Chefchaouen, einer kleinen Stadt im Rif- Gebirge.

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